Klicke auf „Antwort zeigen“, um die Lösung anzuzeigen. Inhalte basieren auf der Vorlesung „Topische antimikrobielle Substanzen in der Parodontitistherapie“. Tastaturnavigation: ↑↓ Pfeiltasten zum Navigieren, Enter zum Öffnen/Schließen, A für alle öffnen, S für alle schließen. Selbstbewertung: Alt/Option = Falsch, Cmd = Richtig.
Die Vorlesung behandelt den gezielten lokalen Einsatz antimikrobieller Substanzen zur Unterstützung der mechanischen Parodontitistherapie. Behandelt werden Wirkungsmechanismen (antiadhäsiv, antimikrobiell, plaqueentfernend), typische Präparate (z. B. Chlorhexidin, Triclosan, CPC, Lacke/Chips/Gele wie EC40®, PerioChip®, Elyzol®, Atridox®) sowie Nutzen, Grenzen und Nebenwirkungen.
Substanzen greifen an verschiedenen Phasen der Plaqueentwicklung an: (1) Antiadhäsion verhindert Anheften am Pellikel, (2) antimikrobiell hemmt Wachstum oder tötet adhärierte Keime, (3) Plaqueentfernung zerstört vorhandene Biofilme. Jede Gruppe zielt auf Prävention bis Elimination und ergänzt mechanisches Debridement.
Sie modifizieren den dentale Pellikel und reduzieren die initiale Keimanlagerung. Viele sind für die Mundhöhle zu toxisch; Delmopinol hemmt die Matrixbildung und kann als Zusatz in Spüllösungen Plaque reduzieren, ist aber kein Standard.
Sie wirken am Pellikel/auf Mikroorganismen: bakteriostatisch (Enzymhemmung, Wachstum↓) oder bakterizid (Membran-/Zellwandschädigung). Klinisch dienen sie zur Keimzahlsenkung in parodontalen Taschen (z. B. CHX, CPC) und ergänzen die mechanische Therapie.
„Chemische Zahnbürsten“ lösen/zerstören bestehenden Biofilm (z. B. Hypochloride). In der Mundhöhle sind viele zu toxisch; mechanisches Debridement bleibt Goldstandard, chemische Plaqueentfernung hat nur begrenzte Praxisrelevanz.
Hohe Substantivität: gute Adsorption an oralen Oberflächen, langanhaltende Retention (v. a. am Pellikel), dauerhafte antimikrobielle Aktivität und langsame Neutralisation im Speichel. So wirken z. B. CHX-Spüllösungen über Stunden.
Irrigation: kurze Spitzenkonzentration, rascher Abfall. Verzögerte Abgabe: langsamer, exponentieller Abfall. Kontrollierte Abgabe: gleichmäßige Freisetzung über Tage. Kontrollierte Systeme (z. B. CHX-Chips, Atridox®) halten stabile Spiegel in Taschen.
Die lokale Konzentration fällt je nach System ab: Irrigation → schnell, verzögerte Abgabe → exponentiell, kontrollierte Abgabe → über Tage stabil. Da die Retention die Wirksamkeit bestimmt, eignen sich kontrollierte Systeme für schwer zugängliche Läsionen.
Enzyme, quaternäre Ammoniumverbindungen (CPC), Phenole (Triclosan), Bisbiguanide (CHX), Metallionen (Zink, Silber), Fluoride, Jod, Aminoalkohole (Delmopinol), O₂-abspaltende Verbindungen, Pflanzenextrakte, Antibiotika (Tetra-/Minocyclin, Doxycyclin, Metronidazol). Praxisbewährt: CHX, CPC, Triclosan, Fluoride, Doxycyclin-Gele.
Sie lösen die Matrix (z. B. Dextranase/Mutanase) = „biochemisches Debridement“. Grenzen: geringe Substantivität, potenzielle Erosionen; weitere Ansätze (Amyloglykosidase, Glucoseoxidase) ohne klaren klinischen Nutzen. Heute eher theoretische Bedeutung.
Fluoride remineralisieren Schmelz und sind antibakteriell: reduzierte Oberflächenenergie → weniger Adhäsion, Aminfluorid hemmt bakterielle Glykolyse; in höheren Konzentrationen bakterizid. Doppelter Nutzen: Karies- & Plaquekontrolle.
CPC/Benzalkoniumchlorid (0,05 %) binden kationisch an Schleimhaut/Pellikel, Substantivität 3–5 h, antibakteriell gegen gram+ und gram−, aber schwächer als CHX. Häufiger Zusatz in Mundspüllösungen.
Phenolisches Antiseptikum, antibakteriell & antiinflammatorisch, Substantivität ≈ 5 h. 0,1 % Triclosan ≙ etwa 0,01 % CHX. Wirksamer in Kombi mit Zinkcitrat oder Copolymer (PVM/MA) zur Retention. Häufig in Zahnpasten (z. B. Colgate Total®), senkt Gingivitiszeichen ohne relevante UAW.
Hemmung der Enoyl-Acyl-Carrier-Protein-Reduktase (FabI) in der bakteriellen Fettsäuresynthese → Membranstörung, Zelltod. Resistenzdiskussion (FabI-Mutationen/Kreuzresistenzen) v. a. bei kosmetischer Übernutzung; in der oralen Anwendung bisher keine klinisch relevante Resistenzlage.
Hemmung von COX-1/COX-2 und 5-LOX, Reduktion der IL-1β-induzierten PGE₂ in gingivalen Fibroblasten. Studien zeigen deutliche Entzündungsreduktion (Gaffar 1995; Modéer 1996) → weniger Blutung/Schwellung.
Rosling et al. 1997: Nach Parodontitistherapie reduzierte Triclosan+Copolymer+Fluorid die Taschensondierungstiefe über 36 Monate, während sie in der Kontrollgruppe zunahm. Fazit: Triclosan-Zahnpasta kann weitere Attachmentverluste vorbeugen und die Langzeitstabilität verbessern.
Durch kombinierte antimikrobielle und antiinflammatorische Wirkung: weniger Plaqueakkumulation und Entzündungsmediatoren. In Rosling zeigte sich auch beim Attachmentniveau eine Verbesserung in der Testgruppe vs. Verschlechterung in der Kontrolle.
CHX ist ein Bisbiguanid mit zwei positiv geladenen Enden (Chlorid oder Acetat), stark anionaffin (Zahn, Pellikel, Schleimhaut), kaum resorbiert, nahezu vollständig ausgeschieden. Sehr hohe Substantivität erklärt die langanhaltende Wirkung.
Wirksam gegen gram+/- Bakterien, Pilze und einige Viren (HBV, HIV). Kaum Resistenz. Hemmt bakterielle Proteasen (z. B. T. forsythia, T. denticola, Aa); Zink(II) potenziert Wirkung (Gingipain-Hemmung bei P. gingivalis). Standardantiseptikum der Parodontologie.
Bei 0,06–0,2 % vorwiegend bakteriostatisch (Membrantransportstörung), ab ≳ 2 % bakterizid (Zellwandpenetration, Zytoplasmafixierung). Klinisch übliche 0,1–0,2 % verhindern effektiv Plaqueakkumulation.
Nach 30 s Spülung mit 10 ml: ≈ 3 % werden geschluckt, ≈ 67 % ausgespuckt, ≈ 30 % adsorbiert. Dieses Depot (Slow-Release) hält bis zu 12 h → Anwendung 2× täglich.
Natriumlaurylsulfat (Zahnpasta), Jod und Triclosan inaktivieren CHX. Deshalb CHX-Spülung 20–30 Minuten zeitversetzt zum Zähneputzen einsetzen.
Verfärbungen (Zähne, Restaurationen, Zunge), Geschmacksstörungen, Schleimhauterosionen, selten Parotisschwellung; fördert Zahnsteinbildung. Daher kurzfristiger Einsatz (z. B. 1–2 Wochen postoperativ) empfohlen.
EC40®, Cervitec® (1 % CHX), Biodent EC40®. Träger: Ethanol, Naturharze (z. B. Sanderac). Auf trockene Zahnflächen appliziert, bilden ein Depot mit langsamer Freisetzung. Einsatz: adjuvant bei Parodontitis/Kariesrisiko oder eingeschränkter Mundhygiene.
Cosyn et al. 2006: Debridement ± EC40® (26 Patienten). Nach 9 Monaten: signifikante TST-Reduktion (4–6 mm/>7 mm) in der Testgruppe, nicht in der Kontrolle. Vorteil: hohe lokale Konzentration ohne systemische UAW.
Vorteile: sehr hohe lokale Konzentration (≫ MHK), kaum systemische UAW, unabhängig von täglicher Compliance. Nachteile: Allergie-/Resistenzrisiko, Applikationsaufwand, mögliche Superinfektionen, Kosten. Einsatz v. a. bei persistierenden Taschen ≥ 5 mm.
25 % Metronidazol (250 mg/g) in Glycerolmonooleat/Sesamöl/Wasser. Exponentieller Abbau über ≈ 12 h (HWZ ≈ 3,4 h) → üblicherweise 2 Applikationen. Wirksam gegen anaerobe Keime in tiefen Taschen.
2,5 mg CHX in Gelatine, vernetzt mit Glutaraldehyd. Abgabe: 40 % in 24 h, danach linear über 7–10 Tage; Konzentration im Sulkusfluid ≈ 125 µg/ml. Einfache Einlage, keine Zahnseide 7 Tage. Zusatztherapie bei Taschen ≥ 5 mm.
10 % Doxycyclin in Poly-DL-Lactid (biodegradierbar). Kontrollierte Freisetzung über 7 Tage, häufig > 80 % Langzeitwirkung. Applikation kanülengeführt in die Tasche, Entfernung nach ≈ 14 Tagen empfohlen. Belegt: TST-Reduktion, Attachmentgewinn.
Salvi et al. 2002 (47 Pat., TST 5 mm, 4,5 Monate): Atridox® zeigte den größten Attachmentgewinn; PerioChip® und Elyzol® ebenfalls signifikante, jedoch geringere Verbesserungen. TST < 6 mm nahm in allen Gruppen ab.
Begrenzte Substantivität (Ausschwemmung), Clearance durch Sulkusfluid, ungleichmäßige Verteilung (Distaltiefe), Zeit- und Kostenaufwand, heterogene Evidenz. Nur adjuvant sinnvoll, nicht als Monotherapie.
Bewährt zur kurzfristigen chemischen Plaquekontrolle: bei Gingivitis, nach chirurgischen Eingriffen, bei eingeschränkter Mundhygiene. Konzentrationen 0,1–0,2 %; Einsatz wegen UAW zeitlich limitiert.
Für Hochrisikopatienten (Parodontitis/Karies), bei limitierter Mundhygienefähigkeit, in der UPT zur Keimzahlsenkung. Vorteil: langanhaltende lokale Konzentration ohne systemische Belastung.
Bei persistierenden Taschen ≥ 5 mm trotz guter mechanischer Therapie, an schwer zugänglichen Stellen, wenn systemische Antibiotika vermieden werden sollen oder als rezidivprophylaktische Maßnahme einzelner Läsionen.
Mechanische Biofilmentfernung bleibt Goldstandard. Topische Antiseptika/Antibiotika sind unterstützend sinnvoll: CHX kurzzeitig zur Plaquekontrolle; CHX-Lack in der UPT; lokale Antibiotika für selektive persistierende Läsionen. Indikationsstellung risikoorientiert und wirtschaftlich abwägen.
Topische antimikrobielle Strategien stabilisieren den Behandlungserfolg, wenn sie nach sorgfältigem Debridement gezielt eingesetzt werden. CHX bleibt Standard für Kurzzeit-Kontrolle; kontrollierte Abgabesysteme (z. B. Doxycyclin-Polymer) zeigen die besten lokalen Langzeiteffekte. Regelmäßige UPT und Hygieneinstruktion sind unverzichtbar.