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Übungsfragen: Parodontologie – Topische antimikrobielle Therapie

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1) Was ist das Thema der Vorlesung „Topische antimikrobielle Substanzen in der Parodontitistherapie“?

Die Vorlesung behandelt den gezielten lokalen Einsatz antimikrobieller Substanzen zur Unterstützung der mechanischen Parodontitistherapie. Behandelt werden Wirkungsmechanismen (antiadhäsiv, antimikrobiell, plaqueentfernend), typische Präparate (z. B. Chlorhexidin, Triclosan, CPC, Lacke/Chips/Gele wie EC40®, PerioChip®, Elyzol®, Atridox®) sowie Nutzen, Grenzen und Nebenwirkungen.

2) Was beschreibt der „Wirkungsansatz“ antimikrobieller Substanzen in Bezug auf Plaque?

Substanzen greifen an verschiedenen Phasen der Plaqueentwicklung an: (1) Antiadhäsion verhindert Anheften am Pellikel, (2) antimikrobiell hemmt Wachstum oder tötet adhärierte Keime, (3) Plaqueentfernung zerstört vorhandene Biofilme. Jede Gruppe zielt auf Prävention bis Elimination und ergänzt mechanisches Debridement.

3) Wie wirken antiadhäsive Substanzen?

Sie modifizieren den dentale Pellikel und reduzieren die initiale Keimanlagerung. Viele sind für die Mundhöhle zu toxisch; Delmopinol hemmt die Matrixbildung und kann als Zusatz in Spüllösungen Plaque reduzieren, ist aber kein Standard.

4) Wie wirken antimikrobielle Substanzen an der Zahnoberfläche?

Sie wirken am Pellikel/auf Mikroorganismen: bakteriostatisch (Enzymhemmung, Wachstum↓) oder bakterizid (Membran-/Zellwandschädigung). Klinisch dienen sie zur Keimzahlsenkung in parodontalen Taschen (z. B. CHX, CPC) und ergänzen die mechanische Therapie.

5) Was versteht man unter plaqueentfernenden chemischen Substanzen?

„Chemische Zahnbürsten“ lösen/zerstören bestehenden Biofilm (z. B. Hypochloride). In der Mundhöhle sind viele zu toxisch; mechanisches Debridement bleibt Goldstandard, chemische Plaqueentfernung hat nur begrenzte Praxisrelevanz.

6) Welche Eigenschaften sollten chemische Plaquekontrollmittel besitzen?

Hohe Substantivität: gute Adsorption an oralen Oberflächen, langanhaltende Retention (v. a. am Pellikel), dauerhafte antimikrobielle Aktivität und langsame Neutralisation im Speichel. So wirken z. B. CHX-Spüllösungen über Stunden.

7) Worin unterscheiden sich Irrigation, verzögerte und kontrollierte Abgabe?

Irrigation: kurze Spitzenkonzentration, rascher Abfall. Verzögerte Abgabe: langsamer, exponentieller Abfall. Kontrollierte Abgabe: gleichmäßige Freisetzung über Tage. Kontrollierte Systeme (z. B. CHX-Chips, Atridox®) halten stabile Spiegel in Taschen.

8) Wie sehen Clearance-Verläufe in parodontalen Taschen aus?

Die lokale Konzentration fällt je nach System ab: Irrigation → schnell, verzögerte Abgabe → exponentiell, kontrollierte Abgabe → über Tage stabil. Da die Retention die Wirksamkeit bestimmt, eignen sich kontrollierte Systeme für schwer zugängliche Läsionen.

9) Welche chemischen Gruppen werden zur Plaquekontrolle eingesetzt?

Enzyme, quaternäre Ammoniumverbindungen (CPC), Phenole (Triclosan), Bisbiguanide (CHX), Metallionen (Zink, Silber), Fluoride, Jod, Aminoalkohole (Delmopinol), O₂-abspaltende Verbindungen, Pflanzenextrakte, Antibiotika (Tetra-/Minocyclin, Doxycyclin, Metronidazol). Praxisbewährt: CHX, CPC, Triclosan, Fluoride, Doxycyclin-Gele.

10) Wie wirken Enzyme als Plaquekontrollagenzien?

Sie lösen die Matrix (z. B. Dextranase/Mutanase) = „biochemisches Debridement“. Grenzen: geringe Substantivität, potenzielle Erosionen; weitere Ansätze (Amyloglykosidase, Glucoseoxidase) ohne klaren klinischen Nutzen. Heute eher theoretische Bedeutung.

11) Welche Wirkungen haben Fluoride auf Plaque/Bakterien?

Fluoride remineralisieren Schmelz und sind antibakteriell: reduzierte Oberflächenenergie → weniger Adhäsion, Aminfluorid hemmt bakterielle Glykolyse; in höheren Konzentrationen bakterizid. Doppelter Nutzen: Karies- & Plaquekontrolle.

12) Wie wirken quaternäre Ammoniumverbindungen (CPC) in der Mundhöhle?

CPC/Benzalkoniumchlorid (0,05 %) binden kationisch an Schleimhaut/Pellikel, Substantivität 3–5 h, antibakteriell gegen gram+ und gram−, aber schwächer als CHX. Häufiger Zusatz in Mundspüllösungen.

13) Welche Eigenschaften/Wirkungen hat Triclosan?

Phenolisches Antiseptikum, antibakteriell & antiinflammatorisch, Substantivität ≈ 5 h. 0,1 % Triclosan ≙ etwa 0,01 % CHX. Wirksamer in Kombi mit Zinkcitrat oder Copolymer (PVM/MA) zur Retention. Häufig in Zahnpasten (z. B. Colgate Total®), senkt Gingivitiszeichen ohne relevante UAW.

14) Was ist der antibakterielle Mechanismus von Triclosan?

Hemmung der Enoyl-Acyl-Carrier-Protein-Reduktase (FabI) in der bakteriellen Fettsäuresynthese → Membranstörung, Zelltod. Resistenzdiskussion (FabI-Mutationen/Kreuzresistenzen) v. a. bei kosmetischer Übernutzung; in der oralen Anwendung bisher keine klinisch relevante Resistenzlage.

15) Welche antiinflammatorischen Effekte besitzt Triclosan?

Hemmung von COX-1/COX-2 und 5-LOX, Reduktion der IL-1β-induzierten PGE₂ in gingivalen Fibroblasten. Studien zeigen deutliche Entzündungsreduktion (Gaffar 1995; Modéer 1996) → weniger Blutung/Schwellung.

16) Welche klinischen Effekte zeigte Triclosan in Studien?

Rosling et al. 1997: Nach Parodontitistherapie reduzierte Triclosan+Copolymer+Fluorid die Taschensondierungstiefe über 36 Monate, während sie in der Kontrollgruppe zunahm. Fazit: Triclosan-Zahnpasta kann weitere Attachmentverluste vorbeugen und die Langzeitstabilität verbessern.

17) Wie beugt Triclosan weiteren Attachmentverlusten vor?

Durch kombinierte antimikrobielle und antiinflammatorische Wirkung: weniger Plaqueakkumulation und Entzündungsmediatoren. In Rosling zeigte sich auch beim Attachmentniveau eine Verbesserung in der Testgruppe vs. Verschlechterung in der Kontrolle.

18) Welche chemische Struktur/Eigenschaften hat Chlorhexidin (CHX)?

CHX ist ein Bisbiguanid mit zwei positiv geladenen Enden (Chlorid oder Acetat), stark anionaffin (Zahn, Pellikel, Schleimhaut), kaum resorbiert, nahezu vollständig ausgeschieden. Sehr hohe Substantivität erklärt die langanhaltende Wirkung.

19) Welche antimikrobiellen Eigenschaften hat CHX?

Wirksam gegen gram+/- Bakterien, Pilze und einige Viren (HBV, HIV). Kaum Resistenz. Hemmt bakterielle Proteasen (z. B. T. forsythia, T. denticola, Aa); Zink(II) potenziert Wirkung (Gingipain-Hemmung bei P. gingivalis). Standardantiseptikum der Parodontologie.

20) Wie wirkt CHX konzentrationsabhängig?

Bei 0,06–0,2 % vorwiegend bakteriostatisch (Membrantransportstörung), ab ≳ 2 % bakterizid (Zellwandpenetration, Zytoplasmafixierung). Klinisch übliche 0,1–0,2 % verhindern effektiv Plaqueakkumulation.

21) Wie lange wirkt eine 0,2 %-CHX-Mundspülung?

Nach 30 s Spülung mit 10 ml: ≈ 3 % werden geschluckt, ≈ 67 % ausgespuckt, ≈ 30 % adsorbiert. Dieses Depot (Slow-Release) hält bis zu 12 h → Anwendung 2× täglich.

22) Welche Wechselwirkungen sind bei CHX relevant?

Natriumlaurylsulfat (Zahnpasta), Jod und Triclosan inaktivieren CHX. Deshalb CHX-Spülung 20–30 Minuten zeitversetzt zum Zähneputzen einsetzen.

23) Welche Nebenwirkungen kann CHX verursachen?

Verfärbungen (Zähne, Restaurationen, Zunge), Geschmacksstörungen, Schleimhauterosionen, selten Parotisschwellung; fördert Zahnsteinbildung. Daher kurzfristiger Einsatz (z. B. 1–2 Wochen postoperativ) empfohlen.

24) Welche CHX-Lacke gibt es und wozu dienen sie?

EC40®, Cervitec® (1 % CHX), Biodent EC40®. Träger: Ethanol, Naturharze (z. B. Sanderac). Auf trockene Zahnflächen appliziert, bilden ein Depot mit langsamer Freisetzung. Einsatz: adjuvant bei Parodontitis/Kariesrisiko oder eingeschränkter Mundhygiene.

25) Wie effektiv ist der CHX-Lack EC40®?

Cosyn et al. 2006: Debridement ± EC40® (26 Patienten). Nach 9 Monaten: signifikante TST-Reduktion (4–6 mm/>7 mm) in der Testgruppe, nicht in der Kontrolle. Vorteil: hohe lokale Konzentration ohne systemische UAW.

26) Was sind Vor- und Nachteile lokaler Antibiotikatherapien?

Vorteile: sehr hohe lokale Konzentration (≫ MHK), kaum systemische UAW, unabhängig von täglicher Compliance. Nachteile: Allergie-/Resistenzrisiko, Applikationsaufwand, mögliche Superinfektionen, Kosten. Einsatz v. a. bei persistierenden Taschen ≥ 5 mm.

27) Welche Eigenschaften hat das Metronidazolgelen (Elyzol®)?

25 % Metronidazol (250 mg/g) in Glycerolmonooleat/Sesamöl/Wasser. Exponentieller Abbau über ≈ 12 h (HWZ ≈ 3,4 h) → üblicherweise 2 Applikationen. Wirksam gegen anaerobe Keime in tiefen Taschen.

28) Wie ist Aufbau und Abgabeprofil des PerioChip®?

2,5 mg CHX in Gelatine, vernetzt mit Glutaraldehyd. Abgabe: 40 % in 24 h, danach linear über 7–10 Tage; Konzentration im Sulkusfluid ≈ 125 µg/ml. Einfache Einlage, keine Zahnseide 7 Tage. Zusatztherapie bei Taschen ≥ 5 mm.

29) Was kennzeichnet das Atridox®-System?

10 % Doxycyclin in Poly-DL-Lactid (biodegradierbar). Kontrollierte Freisetzung über 7 Tage, häufig > 80 % Langzeitwirkung. Applikation kanülengeführt in die Tasche, Entfernung nach ≈ 14 Tagen empfohlen. Belegt: TST-Reduktion, Attachmentgewinn.

30) Wie schneiden Elyzol®, PerioChip® und Atridox® im Vergleich ab?

Salvi et al. 2002 (47 Pat., TST 5 mm, 4,5 Monate): Atridox® zeigte den größten Attachmentgewinn; PerioChip® und Elyzol® ebenfalls signifikante, jedoch geringere Verbesserungen. TST < 6 mm nahm in allen Gruppen ab.

31) Welche Grenzen hat die lokale antimikrobielle Therapie in der Tasche?

Begrenzte Substantivität (Ausschwemmung), Clearance durch Sulkusfluid, ungleichmäßige Verteilung (Distaltiefe), Zeit- und Kostenaufwand, heterogene Evidenz. Nur adjuvant sinnvoll, nicht als Monotherapie.

32) Welche klinische Rolle haben CHX-Spüllösungen?

Bewährt zur kurzfristigen chemischen Plaquekontrolle: bei Gingivitis, nach chirurgischen Eingriffen, bei eingeschränkter Mundhygiene. Konzentrationen 0,1–0,2 %; Einsatz wegen UAW zeitlich limitiert.

33) Für wen ist CHX-Lack (z. B. EC40%) besonders geeignet?

Für Hochrisikopatienten (Parodontitis/Karies), bei limitierter Mundhygienefähigkeit, in der UPT zur Keimzahlsenkung. Vorteil: langanhaltende lokale Konzentration ohne systemische Belastung.

34) Wann sind lokale Antibiotika (Elyzol®, PerioChip®, Atridox®) besonders indiziert?

Bei persistierenden Taschen ≥ 5 mm trotz guter mechanischer Therapie, an schwer zugänglichen Stellen, wenn systemische Antibiotika vermieden werden sollen oder als rezidivprophylaktische Maßnahme einzelner Läsionen.

35) Was ist das übergeordnete Fazit zur topischen Therapie?

Mechanische Biofilmentfernung bleibt Goldstandard. Topische Antiseptika/Antibiotika sind unterstützend sinnvoll: CHX kurzzeitig zur Plaquekontrolle; CHX-Lack in der UPT; lokale Antibiotika für selektive persistierende Läsionen. Indikationsstellung risikoorientiert und wirtschaftlich abwägen.

36) Welche zentrale klinische Empfehlung ergibt sich aus der Gesamtschau?

Topische antimikrobielle Strategien stabilisieren den Behandlungserfolg, wenn sie nach sorgfältigem Debridement gezielt eingesetzt werden. CHX bleibt Standard für Kurzzeit-Kontrolle; kontrollierte Abgabesysteme (z. B. Doxycyclin-Polymer) zeigen die besten lokalen Langzeiteffekte. Regelmäßige UPT und Hygieneinstruktion sind unverzichtbar.