Klicke auf „Antwort zeigen“, um die Lösung anzuzeigen. Inhalte basieren auf der Vorlesung „Notfall- und Schockraummanagement“ (xABCDE, DCR, MKG-Rolle, Fälle). Tastaturnavigation: ↑↓ zum Navigieren, Enter Öffnen/Schließen, A alle öffnen, S alle schließen. Selbstbewertung: Alt/Option = Falsch, Cmd = Richtig.
Die Vorlesung vermittelt die Grundprinzipien der akuten Traumaversorgung, insbesondere Organisation, Abläufe und Entscheidungsfindung im Schockraum. Ziel: lebensbedrohliche Verletzungen schnell erkennen, Prioritäten setzen und interdisziplinäre Zusammenarbeit verstehen.
Abläufe in der Notfallversorgung verstehen; polytraumatisierte Patienten erkennen; Algorithmen/Standards im Schockraum kennen; fachspezifische Notfallmaßnahmen begreifen. Ziel: strukturiertes, interdisziplinäres Vorgehen.
Gleichzeitige Verletzungen mehrerer Körperregionen, wobei mindestens eine oder die Kombination zweier Verletzungen lebensbedrohlich ist. Beispiel: SHT + Thoraxtrauma.
„Stay and play“ (Stabilisierung vor Ort) vs. „Scoop and run“ (schneller Transport). Erstmaßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen, Analgesie/Stabilisierung, frühzeitige Anmeldung zur innerklinischen Weiterversorgung. Entscheidung situationsabhängig.
x – Exsanguination: kritische Blutung stoppen (Kompression, Tourniquet). A – Airway: Atemweg sichern (Absaugen, HWS). B – Breathing: sPTX entlasten (Nadelthorakostomie). C – Circulation: Volumen, vasoaktive Strategien (kein Überinfundieren). D – Disability: GCS. E – Exposure: entkleiden, wärmen, Analgesie, Gesamtinspektion. Behandlung nach Vitalbedrohung, nicht nach Wundgröße.
Basisteam: mind. zwei Pflegekräfte, zwei Ärzt:innen Notfallkompetenz. Erweitertes Team: Unfall-, Viszeral-, Neuro-, MKG-Chirurgie, Radiologie u. a. Übergabe nach ABCDE, Umlagerung/Entkleidung, anästhesiologische Stabilisierung. Basisdiagnostik: Body-Check, Sono Abdomen, Röntgen Thorax/Becken.
Drei Phasen: Rot (Akut-/Reanimation), Gelb (diagnostisch/operativ – MKG meist hier), Grün (stabil/Weiterbehandlung/Verlegung). MKG wird typischerweise in Phase Gelb eingebunden.
Blutstillung Kopf/Hals; Atemwegssicherung bei Gesichtsfrakturen (wenn Anästhesie nicht möglich); z. B. bei UK-/Mittelgesichtsfrakturen Verlegungsgefahr durch Ödem/Dislokation.
Ebene 1: Spontanatmung/Maskenbeatmung. Ebene 2: extraglottische Hilfen (Larynxmaske). Ebene 3: endotracheale Intubation. Ebene 4: translaryngealer/-trachealer Zugang (Koniotomie, Tracheotomie). Steigende Invasivität je nach Versagen.
Notfalleingriff zur schnellen Atemwegssicherung bei „cannot intubate, cannot ventilate“. Technik: Palpation – Inzision – Traktion – Intubation durch das Krikothyreoidmembran-Fenster. Anwendung, wenn kein anderer Zugang binnen Sekunden gelingt.
Chirurgische Eröffnung der Trachea (meist 2.–3. Ring) zur dauerhaften Atemwegssicherung; Koniotomie ist eine akute, kurzfristige Notfallmaßnahme.
Naht, Koagulation, Unterbindung, Tamponade, Reposition offener Frakturen. Ziel: sofortige Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen—im Kopf-/Halsbereich besonders rasch handeln.
Bellocq-Tamponade + vordere Tamponade zur Druckausübung auf vordere/hintere Gefäßplexus. Temporäre Sicherung bis zur definitiven Versorgung; Atemweg/ Aspiration beachten.
Weichteiltrauma: Wundversorgung < 6 h, FK-Entfernung, primärer/sekundärer Wundverschluss. Frakturen: temporäre Stabilisierung oder Sofort-OP. Zahntrauma: < 1 h Schienung/Extraktion. Zeitfenster bestimmt Prognose („Golden Hour of Soft Tissue Surgery“).
Kind (3 J.) erleidet Hundebiss: Defekt im Wangenbereich, Risswunde Stirn. Impfstatus regelrecht, Tollwutimpfung aktuell.
Plastische Rekonstruktion mit Rotationslappen, Fettaugmentation von kaudal; keine Fazialisverletzung.
Nahtentfernung nach 7 Tagen, unauffällige Heilung. Langzeitkontrolle zur Narben-/Funktionsbeobachtung geplant.
Bei Corpus-/Trümmerfrakturen kann die Zungenbasis nach dorsal fallen → Atemwegsverlegung. Temporäre Fixation (z. B. Ernst-Ligatur) sichert die Durchgängigkeit bis zur definitiven Osteosynthese.
Fixation der Zähne mit Drahtligaturen (Ernst) zur temporären Stabilisierung und Atemwegssicherung bis zur definitiven Versorgung.
Patientin nach mutmaßlichem Gewaltverbrechen bewusstlos aufgefunden; massives Mittelgesichtstrauma, Abriss der Nasenwurzel, große Weichteilverletzung der Oberlippe. Ursache später: Rohheitsdelikt + Treppensturz. Komplexes Trauma mit signifikanter Gesichtsdestruktion.
Rasche Erkennung/Behandlung lebensbedrohlicher Störungen nach xABCDE: x (kritische Blutung), A (Atemweg/HWS), B (Atmung), C (Kreislauf/Blutung), D (Neuro/GCS), E (Exposition/Wärme). Jeder Schritt = Diagnose + sofortige Therapie; Re-Evaluation nach jeder Intervention.
Früh Team-Alarm, RSI mit HWS-Schutz; First-Line Video-Laryngoskopie; bei Blut/Schwellung: „Suction First“. Fallback: Larynxmaske; bei „CICO“: Koniotomie (4-Schritte-Technik). Besonderheit bei Mittelgesicht/Mandibel: Zungenbasis droht zu obstruieren—Frühfixation/Vorschub/Ernst-Ligatur.
Phase Rot: eFAST, Thorax-/Beckenröntgen. Phase Gelb: Polytrauma-CT (Kopf, HWS, Thorax, Abdomen/Becken; ggf. 3D für Gesichtsschädel). Ziel: Entscheidung konservativ vs. interventionell (Embolisation) vs. operativ.
Frühe Ganzkörperstrategie: permissive Hypotonie (MAP 80–85 mmHg bei Nicht-SHT), restriktive Kristalloide, 1:1:1-Transfusion, Tranexamsäure (1 g + 1 g/8 h), Wärme-Management, Kalziumgabe. Ziel: Trias aus Hypothermie, Azidose, Koagulopathie durchbrechen.
Direkte Kompression, Tourniquet (Zeit dokumentieren), Beckenbinder, Tamponaden (nasal/oral), Ballontamponade (z. B. Sengstaken bei Oropharynx), provisorische Ligaturen/Klemmen. Parallel: Schockprotokoll, OP-/Angio-Bereitschaft.
Klinik Spannungspneumothorax (Dyspnoe, Hypotonie, JVD, einseitig fehlendes Atemgeräusch, Trachealverlagerung) → Nadeldekompression (2. ICR MCL oder 4./5. ICR vordere Axillarlinie), danach Thoraxdrainage. Offener PTX: 3-Seiten-Verband, dann Drainage.
Pelvic Binder über Trochantern, eFAST/CT, ggf. präperitoneales Packing und/oder Angioembolisation; parallel DCR. Ziel: venöse Blutung reduzieren, hämodynamisch stabilisieren.
Keine permissive Hypotonie; MAP sichern (≥ 80–85 mmHg), normo-/kurzzeitig leicht hypocapnisch beatmen, Osmotherapie bei ICP-Zeichen, früh CT-Kopf. Analgesie/Sedierung ohne komplette Maskierung neurologischer Zeichen.
GCS (Augen/Verbal/Motorik), Pupillenweite/-reaktion, Seitenvergleich, grobe Motorik/Sensibilität. Red Flags: einseitige Mydriasis (Uncus), GCS-Abfall, neue fokale Defizite → sofort CT, Neuroalarm, Kreislaufoptimierung.
Komplett entkleiden, Front/Back-Roll, aktives Wärmen, beheizte Infusionen, Analgesie, sterile Wundabdeckung, Tetanus/Infektionsprophylaxe prüfen. Lückenlose Dokumentation (Befunde, Uhrzeiten, Fotos).
Sicherung/Verbesserung der Oropharynx-Passage, Blutstillung (Epistaxis/intraoral), Erstversorgung komplexer Weichteildefekte, Stabilisierung dislozierter Frakturen (Schienung/Draht), Entscheidung ORIF vs. Interimsversorgung, Dental-/Alveolarfrakturen beurteilen.
Vordere + hintere Tamponade (Bellocq), ggf. Tranexamsäure-getränkt; bei Versagen endoskopische Koagulation/Clip (HNO). Bei Gesichtsschädelfrakturen kann Reposition/Schienung Blutung senken. Atemwegsschutz beachten.
Früh/spannungsfrei entlang Ruhelinien, atraumatisch, Schicht-zu-Schicht (Mukosa/Muskulatur/Haut), Débridement/Spülung. Biss-/Tierverletzungen: großzügige Reinigung, ATB-Prophylaxe (Amoxi/Clav), Tetanus; primärer Verschluss wenn sauber, sonst verzögert.
Avulsion: rasche Replantation (H-Milch/NaCl), Schienung, Tetanus, ggf. ATB. Luxation/Fraktur: Okklusion prüfen, Bildgebung, provisorische Stabilisierung, MKG-Follow-up. Aspiration/Schlucken ausschließen.
Atemweg sichern, Blutung kontrollieren, Okklusion wiederherstellen, Stufen/Instabilität erkennen. Temporäre Fixation (Ernst/Draht) zur Zungenbasis-Sicherung, definitive ORIF nach Stabilisierung und CT-Planung (3D).
Kurzoperationen zur Vitalfunktionssicherung: Blutstillung, Kontaminationskontrolle, temporäre Stabilisierung (Packing/Schienen/Ligaturen), keine langen Rekonstruktionen in der Schockphase. Definitivversorgung in Phase Grün.
Titrierte Opioide (Fentanyl) + ggf. Ketamin (hämodynamisch günstig); Etomidat/Propofol je nach Kreislauf. RSI: standardisierte Sequenz, Teambriefing, Plan A/B/C, Monitoring; Post-Intubations-Analgesie/Sedierung. Neurologie nicht vollständig maskieren.
Structured Handover (ATMIST/SBAR), klare Rollen (Leader/Airway/Breathing/Circulation/Procedure/Recorder), Checklisten (WHO-Time-Out), Closed-Loop-Communication. Echtzeitdokumentation (Maßnahmen/Zeiten/Dosen/Befunde).
Anhaltende Instabilität, Bedarf Angio-/Neuro-/Gefäß-/Herzchirurgie, komplexe Gesichts-/Becken-/Wirbelsäulenverletzungen, pädiatrische Polytraumen, fehlende 24/7-Fächer. Vor Verlegung: Atemweg sichern, Blutung kontrollieren, Wärme, Monitoring/Equipment komplett.
Tetanusstatus, bei Bissverletzung ggf. Tollwutprophylaxe; Antibiotikaprophylaxe je nach Risiko; Ulkusprophylaxe (Beatmung/Schock), Thromboseprophylaxe sobald sicher (mechanisch/medikamentös), Dekubitusprophylaxe. Mundhygiene/Schienen prüfen.
Nach Stabilisierung: AMPLE-Anamnese, top-to-toe-Untersuchung inkl. HNO/OK/UK, Zahnstatus/Okklusion, kraniofaziale Stufen/Instabilität, Haut-/Schleimhaut, neurologischer Feinscreen, Foto-/Skizzendoku, Labor, ggf. erweiterte Bildgebung (CTA).
Stufenplan: (1) Akut: Atemweg, Blutung, Schienung. (2) Frühstabil: CT-Planung, Wiederherstellung vertikaler/horizontaler Pfeiler, Okklusionsführung (MMF/Schiene), ORIF. (3) Sekundär: Weichteil-/ästhetische Korrekturen. Schwellung abwarten, kritische Strukturen früh stabilisieren.
Unzureichende HWS-Sicherung, übersehene Blutungen (retroperitoneal/Becken), Hypothermie, Überinfusion (Verdünnungskoagulopathie), fehlende Re-Evaluation, schlechte Kommunikation/Doku, verspätete Bildgebung/OP-Entscheidung. Checklisten/Teambriefings nutzen.
Wundtoilette, sterile Abdeckung, Blutstillung, Zungenbasis sichern, Drahtligaturen (Ernst) an Zähnen, ggf. Notfall-Schiene, Antibiotikaprophylaxe (aerob/anaerob), Tetanus. Definitive ORIF nach CT und Kreislaufstabilität.
Hohe Keimbelastung: großzügiges Spülen/Débridement; primärer Verschluss nur bei sauberer Wunde, sonst verzögert. Antibiotika (Amoxi/Clav), Tetanus, ggf. Tollwut-Prophylaxe. Forensische Dokumentation beachten; Rekonstruktion entlang ästhetischer Einheiten.
Zeitnahe vollständige Doku (Vitalwerte, Maßnahmen, Zeiten, Dosen, Befunde, Einwilligungen), Fotodoku bei Biss-/Gewaltverletzungen, Beweissicherungskette. Bei nicht Einwilligungsfähigen: mutmaßliche Einwilligung; nachträgliche Aufklärung.
Verlegung auf Normal-/IMC-/ICU mit klaren Anordnungen (Analgesie, ATB, Antikoagulation, Lagerung, Ernährung, Wund-/Drainagenmanagement, Bildgebung/OP-Plan). Re-Evaluation nach 1–2 h, Labor/Blutgase, Temperatur. Frührehabilitation/Sozialmedizin bedenken.
Strukturiertes Teamwork nach xABCDE rettet Leben. Früh Blutungskontrolle/DCR, priorisierte Atemwegssicherung, gezielte Bildgebung, Damage Control in der Schockphase, definitive Versorgung später. MKG ist Schlüsselakteur bei Atemweg/Blutung/Weichteil-/Frakturmanagement. Kontinuierliche Reevaluation, Dokumentation, Kommunikation sind unverzichtbar.