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Übungsfragen: Notfall- und Schockraummanagement

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1) Was ist das Thema und Ziel der Vorlesung „Notfall- und Schockraummanagement“?

Die Vorlesung vermittelt die Grundprinzipien der akuten Traumaversorgung, insbesondere Organisation, Abläufe und Entscheidungsfindung im Schockraum. Ziel: lebensbedrohliche Verletzungen schnell erkennen, Prioritäten setzen und interdisziplinäre Zusammenarbeit verstehen.

2) Welche Lernziele hat das Seminar?

Abläufe in der Notfallversorgung verstehen; polytraumatisierte Patienten erkennen; Algorithmen/Standards im Schockraum kennen; fachspezifische Notfallmaßnahmen begreifen. Ziel: strukturiertes, interdisziplinäres Vorgehen.

3) Was versteht man unter einem Polytrauma?

Gleichzeitige Verletzungen mehrerer Körperregionen, wobei mindestens eine oder die Kombination zweier Verletzungen lebensbedrohlich ist. Beispiel: SHT + Thoraxtrauma.

4) Welche Prinzipien gelten präklinisch beim Polytrauma?

„Stay and play“ (Stabilisierung vor Ort) vs. „Scoop and run“ (schneller Transport). Erstmaßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen, Analgesie/Stabilisierung, frühzeitige Anmeldung zur innerklinischen Weiterversorgung. Entscheidung situationsabhängig.

5) Wie ist das xABCDE-Schema in der präklinischen Traumaversorgung aufgebaut?

x – Exsanguination: kritische Blutung stoppen (Kompression, Tourniquet). A – Airway: Atemweg sichern (Absaugen, HWS). B – Breathing: sPTX entlasten (Nadelthorakostomie). C – Circulation: Volumen, vasoaktive Strategien (kein Überinfundieren). D – Disability: GCS. E – Exposure: entkleiden, wärmen, Analgesie, Gesamtinspektion. Behandlung nach Vitalbedrohung, nicht nach Wundgröße.

6) Welche Teams arbeiten im Schockraum zusammen?

Basisteam: mind. zwei Pflegekräfte, zwei Ärzt:innen Notfallkompetenz. Erweitertes Team: Unfall-, Viszeral-, Neuro-, MKG-Chirurgie, Radiologie u. a. Übergabe nach ABCDE, Umlagerung/Entkleidung, anästhesiologische Stabilisierung. Basisdiagnostik: Body-Check, Sono Abdomen, Röntgen Thorax/Becken.

7) Wie ist der Schockraumalgorithmus aufgebaut?

Drei Phasen: Rot (Akut-/Reanimation), Gelb (diagnostisch/operativ – MKG meist hier), Grün (stabil/Weiterbehandlung/Verlegung). MKG wird typischerweise in Phase Gelb eingebunden.

8) Welche Aufgaben hat die MKG-Chirurgie im Schockraum?

Blutstillung Kopf/Hals; Atemwegssicherung bei Gesichtsfrakturen (wenn Anästhesie nicht möglich); z. B. bei UK-/Mittelgesichtsfrakturen Verlegungsgefahr durch Ödem/Dislokation.

9) Wie wird die Atemwegssicherung in Phase Rot klassifiziert?

Ebene 1: Spontanatmung/Maskenbeatmung. Ebene 2: extraglottische Hilfen (Larynxmaske). Ebene 3: endotracheale Intubation. Ebene 4: translaryngealer/-trachealer Zugang (Koniotomie, Tracheotomie). Steigende Invasivität je nach Versagen.

10) Was ist eine Koniotomie und wann wird sie angewendet?

Notfalleingriff zur schnellen Atemwegssicherung bei „cannot intubate, cannot ventilate“. Technik: Palpation – Inzision – Traktion – Intubation durch das Krikothyreoidmembran-Fenster. Anwendung, wenn kein anderer Zugang binnen Sekunden gelingt.

11) Was ist eine Tracheotomie und wie unterscheidet sie sich von der Koniotomie?

Chirurgische Eröffnung der Trachea (meist 2.–3. Ring) zur dauerhaften Atemwegssicherung; Koniotomie ist eine akute, kurzfristige Notfallmaßnahme.

12) Welche Möglichkeiten zur Blutstillung stehen im Schockraum zur Verfügung?

Naht, Koagulation, Unterbindung, Tamponade, Reposition offener Frakturen. Ziel: sofortige Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen—im Kopf-/Halsbereich besonders rasch handeln.

13) Wie wird eine Epistaxis in Phase Rot behandelt?

Bellocq-Tamponade + vordere Tamponade zur Druckausübung auf vordere/hintere Gefäßplexus. Temporäre Sicherung bis zur definitiven Versorgung; Atemweg/ Aspiration beachten.

14) Welche Aufgaben hat die MKG bei verzögerter Primärversorgung?

Weichteiltrauma: Wundversorgung < 6 h, FK-Entfernung, primärer/sekundärer Wundverschluss. Frakturen: temporäre Stabilisierung oder Sofort-OP. Zahntrauma: < 1 h Schienung/Extraktion. Zeitfenster bestimmt Prognose („Golden Hour of Soft Tissue Surgery“).

15) Fallbeispiel 1: Was geschah beim Unfall?

Kind (3 J.) erleidet Hundebiss: Defekt im Wangenbereich, Risswunde Stirn. Impfstatus regelrecht, Tollwutimpfung aktuell.

16) Wie wurde die Weichteilverletzung therapiert?

Plastische Rekonstruktion mit Rotationslappen, Fettaugmentation von kaudal; keine Fazialisverletzung.

17) Wie war der postoperative Verlauf im Fall 1?

Nahtentfernung nach 7 Tagen, unauffällige Heilung. Langzeitkontrolle zur Narben-/Funktionsbeobachtung geplant.

18) Warum ist bei Frakturen die Atemwegssicherung besonders relevant?

Bei Corpus-/Trümmerfrakturen kann die Zungenbasis nach dorsal fallen → Atemwegsverlegung. Temporäre Fixation (z. B. Ernst-Ligatur) sichert die Durchgängigkeit bis zur definitiven Osteosynthese.

19) Wie erfolgt die Frakturstabilisation bei Unterkiefertrümmerfrakturen?

Fixation der Zähne mit Drahtligaturen (Ernst) zur temporären Stabilisierung und Atemwegssicherung bis zur definitiven Versorgung.

20) Beschreibe den klinischen Befund im Fallbeispiel 1 (Anamnese).

Patientin nach mutmaßlichem Gewaltverbrechen bewusstlos aufgefunden; massives Mittelgesichtstrauma, Abriss der Nasenwurzel, große Weichteilverletzung der Oberlippe. Ursache später: Rohheitsdelikt + Treppensturz. Komplexes Trauma mit signifikanter Gesichtsdestruktion.

21) Welche Ziele verfolgt die Erstbeurteilung im Schockraum (Primary Survey)?

Rasche Erkennung/Behandlung lebensbedrohlicher Störungen nach xABCDE: x (kritische Blutung), A (Atemweg/HWS), B (Atmung), C (Kreislauf/Blutung), D (Neuro/GCS), E (Exposition/Wärme). Jeder Schritt = Diagnose + sofortige Therapie; Re-Evaluation nach jeder Intervention.

22) Wie wird der Atemweg bei Gesichtsschädeltrauma gesichert (Algorithmus)?

Früh Team-Alarm, RSI mit HWS-Schutz; First-Line Video-Laryngoskopie; bei Blut/Schwellung: „Suction First“. Fallback: Larynxmaske; bei „CICO“: Koniotomie (4-Schritte-Technik). Besonderheit bei Mittelgesicht/Mandibel: Zungenbasis droht zu obstruieren—Frühfixation/Vorschub/Ernst-Ligatur.

23) Welche Bildgebung gehört zur Akutdiagnostik (Rot/Gelb)?

Phase Rot: eFAST, Thorax-/Beckenröntgen. Phase Gelb: Polytrauma-CT (Kopf, HWS, Thorax, Abdomen/Becken; ggf. 3D für Gesichtsschädel). Ziel: Entscheidung konservativ vs. interventionell (Embolisation) vs. operativ.

24) Was versteht man unter Damage Control Resuscitation (DCR)?

Frühe Ganzkörperstrategie: permissive Hypotonie (MAP 80–85 mmHg bei Nicht-SHT), restriktive Kristalloide, 1:1:1-Transfusion, Tranexamsäure (1 g + 1 g/8 h), Wärme-Management, Kalziumgabe. Ziel: Trias aus Hypothermie, Azidose, Koagulopathie durchbrechen.

25) Wie wird massive Blutung (x) unmittelbar kontrolliert?

Direkte Kompression, Tourniquet (Zeit dokumentieren), Beckenbinder, Tamponaden (nasal/oral), Ballontamponade (z. B. Sengstaken bei Oropharynx), provisorische Ligaturen/Klemmen. Parallel: Schockprotokoll, OP-/Angio-Bereitschaft.

26) Welche Kriterien sprechen für eine Thoraxentlastung im Schockraum?

Klinik Spannungspneumothorax (Dyspnoe, Hypotonie, JVD, einseitig fehlendes Atemgeräusch, Trachealverlagerung) → Nadeldekompression (2. ICR MCL oder 4./5. ICR vordere Axillarlinie), danach Thoraxdrainage. Offener PTX: 3-Seiten-Verband, dann Drainage.

27) Wie wird ein instabiles Becken initial versorgt?

Pelvic Binder über Trochantern, eFAST/CT, ggf. präperitoneales Packing und/oder Angioembolisation; parallel DCR. Ziel: venöse Blutung reduzieren, hämodynamisch stabilisieren.

28) Welche Besonderheiten bestehen beim SHT im Algorithmus?

Keine permissive Hypotonie; MAP sichern (≥ 80–85 mmHg), normo-/kurzzeitig leicht hypocapnisch beatmen, Osmotherapie bei ICP-Zeichen, früh CT-Kopf. Analgesie/Sedierung ohne komplette Maskierung neurologischer Zeichen.

29) Wie erfolgt die neurologische Erstbeurteilung (D)?

GCS (Augen/Verbal/Motorik), Pupillenweite/-reaktion, Seitenvergleich, grobe Motorik/Sensibilität. Red Flags: einseitige Mydriasis (Uncus), GCS-Abfall, neue fokale Defizite → sofort CT, Neuroalarm, Kreislaufoptimierung.

30) Was umfasst Exposition/Umgebung (E) praktisch?

Komplett entkleiden, Front/Back-Roll, aktives Wärmen, beheizte Infusionen, Analgesie, sterile Wundabdeckung, Tetanus/Infektionsprophylaxe prüfen. Lückenlose Dokumentation (Befunde, Uhrzeiten, Fotos).

31) Welche Rolle hat die MKG in Phase Gelb?

Sicherung/Verbesserung der Oropharynx-Passage, Blutstillung (Epistaxis/intraoral), Erstversorgung komplexer Weichteildefekte, Stabilisierung dislozierter Frakturen (Schienung/Draht), Entscheidung ORIF vs. Interimsversorgung, Dental-/Alveolarfrakturen beurteilen.

32) Wie werden Epistaxis/oronasale Blutungen akut beherrscht?

Vordere + hintere Tamponade (Bellocq), ggf. Tranexamsäure-getränkt; bei Versagen endoskopische Koagulation/Clip (HNO). Bei Gesichtsschädelfrakturen kann Reposition/Schienung Blutung senken. Atemwegsschutz beachten.

33) Grundsätze der Weichteilrekonstruktion im Gesicht?

Früh/spannungsfrei entlang Ruhelinien, atraumatisch, Schicht-zu-Schicht (Mukosa/Muskulatur/Haut), Débridement/Spülung. Biss-/Tierverletzungen: großzügige Reinigung, ATB-Prophylaxe (Amoxi/Clav), Tetanus; primärer Verschluss wenn sauber, sonst verzögert.

34) Wie wird ein Zahntrauma im Schockraum gemanagt?

Avulsion: rasche Replantation (H-Milch/NaCl), Schienung, Tetanus, ggf. ATB. Luxation/Fraktur: Okklusion prüfen, Bildgebung, provisorische Stabilisierung, MKG-Follow-up. Aspiration/Schlucken ausschließen.

35) Prinzipien bei Mittelgesichts-/Mandibelfrakturen?

Atemweg sichern, Blutung kontrollieren, Okklusion wiederherstellen, Stufen/Instabilität erkennen. Temporäre Fixation (Ernst/Draht) zur Zungenbasis-Sicherung, definitive ORIF nach Stabilisierung und CT-Planung (3D).

36) Was bedeutet Damage Control Surgery (DCS) im Kopf-Hals-Bereich?

Kurzoperationen zur Vitalfunktionssicherung: Blutstillung, Kontaminationskontrolle, temporäre Stabilisierung (Packing/Schienen/Ligaturen), keine langen Rekonstruktionen in der Schockphase. Definitivversorgung in Phase Grün.

37) Welche Analgesie-/Sedationsstrategie ist empfohlen?

Titrierte Opioide (Fentanyl) + ggf. Ketamin (hämodynamisch günstig); Etomidat/Propofol je nach Kreislauf. RSI: standardisierte Sequenz, Teambriefing, Plan A/B/C, Monitoring; Post-Intubations-Analgesie/Sedierung. Neurologie nicht vollständig maskieren.

38) Was gehört zur standardisierten Übergabe/Teamkommunikation?

Structured Handover (ATMIST/SBAR), klare Rollen (Leader/Airway/Breathing/Circulation/Procedure/Recorder), Checklisten (WHO-Time-Out), Closed-Loop-Communication. Echtzeitdokumentation (Maßnahmen/Zeiten/Dosen/Befunde).

39) Kriterien für Sekundärverlegung/Übernahme ins Traumazentrum?

Anhaltende Instabilität, Bedarf Angio-/Neuro-/Gefäß-/Herzchirurgie, komplexe Gesichts-/Becken-/Wirbelsäulenverletzungen, pädiatrische Polytraumen, fehlende 24/7-Fächer. Vor Verlegung: Atemweg sichern, Blutung kontrollieren, Wärme, Monitoring/Equipment komplett.

40) Welche prophylaktischen Maßnahmen sind früh zu bedenken?

Tetanusstatus, bei Bissverletzung ggf. Tollwutprophylaxe; Antibiotikaprophylaxe je nach Risiko; Ulkusprophylaxe (Beatmung/Schock), Thromboseprophylaxe sobald sicher (mechanisch/medikamentös), Dekubitusprophylaxe. Mundhygiene/Schienen prüfen.

41) Was umfasst der Secondary Survey (Kopf-bis-Zeh)?

Nach Stabilisierung: AMPLE-Anamnese, top-to-toe-Untersuchung inkl. HNO/OK/UK, Zahnstatus/Okklusion, kraniofaziale Stufen/Instabilität, Haut-/Schleimhaut, neurologischer Feinscreen, Foto-/Skizzendoku, Labor, ggf. erweiterte Bildgebung (CTA).

42) Wie werden komplexe Mittelgesichtsverletzungen zeitlich versorgt?

Stufenplan: (1) Akut: Atemweg, Blutung, Schienung. (2) Frühstabil: CT-Planung, Wiederherstellung vertikaler/horizontaler Pfeiler, Okklusionsführung (MMF/Schiene), ORIF. (3) Sekundär: Weichteil-/ästhetische Korrekturen. Schwellung abwarten, kritische Strukturen früh stabilisieren.

43) Typische Fehlerquellen im Schockraum – wie vermeiden?

Unzureichende HWS-Sicherung, übersehene Blutungen (retroperitoneal/Becken), Hypothermie, Überinfusion (Verdünnungskoagulopathie), fehlende Re-Evaluation, schlechte Kommunikation/Doku, verspätete Bildgebung/OP-Entscheidung. Checklisten/Teambriefings nutzen.

44) Wie wird eine offene Unterkieferfraktur temporär stabilisiert?

Wundtoilette, sterile Abdeckung, Blutstillung, Zungenbasis sichern, Drahtligaturen (Ernst) an Zähnen, ggf. Notfall-Schiene, Antibiotikaprophylaxe (aerob/anaerob), Tetanus. Definitive ORIF nach CT und Kreislaufstabilität.

45) Welche Grundsätze gelten für Bissverletzungen im Kopf-Hals-Bereich?

Hohe Keimbelastung: großzügiges Spülen/Débridement; primärer Verschluss nur bei sauberer Wunde, sonst verzögert. Antibiotika (Amoxi/Clav), Tetanus, ggf. Tollwut-Prophylaxe. Forensische Dokumentation beachten; Rekonstruktion entlang ästhetischer Einheiten.

46) Welche Dokumentations- und Rechtsaspekte sind wichtig?

Zeitnahe vollständige Doku (Vitalwerte, Maßnahmen, Zeiten, Dosen, Befunde, Einwilligungen), Fotodoku bei Biss-/Gewaltverletzungen, Beweissicherungskette. Bei nicht Einwilligungsfähigen: mutmaßliche Einwilligung; nachträgliche Aufklärung.

47) Wie erfolgt Entlassung/Weiterbehandlung nach Schockraum?

Verlegung auf Normal-/IMC-/ICU mit klaren Anordnungen (Analgesie, ATB, Antikoagulation, Lagerung, Ernährung, Wund-/Drainagenmanagement, Bildgebung/OP-Plan). Re-Evaluation nach 1–2 h, Labor/Blutgase, Temperatur. Frührehabilitation/Sozialmedizin bedenken.

48) Was sind die Kernbotschaften des Notfall- und Schockraummanagements?

Strukturiertes Teamwork nach xABCDE rettet Leben. Früh Blutungskontrolle/DCR, priorisierte Atemwegssicherung, gezielte Bildgebung, Damage Control in der Schockphase, definitive Versorgung später. MKG ist Schlüsselakteur bei Atemweg/Blutung/Weichteil-/Frakturmanagement. Kontinuierliche Reevaluation, Dokumentation, Kommunikation sind unverzichtbar.