Übungsfragen: Risikopatienten (Teil 2)
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1) Wie wird Osteomyelitis definiert und was ist die Idee der Zürich-Klassifikation?
Antwort zeigen Definition: Osteomyelitis = bakterielle Mischinfektion aller Knochenbestandteile (Kortikalis, Spongiosa, Periost ).
Zürich-Klassifikation: Es existieren viele uneinheitliche Klassifikationen; die „Zürich-Klassifikation" ordnet nach klinischem Verlauf und Erscheinungsform neu, um die Therapieplanung zu vereinheitlichen .
2) Welche Formen unterscheidet die Zürich-Klassifikation und was sind Kerneigenschaften?
Antwort zeigen 1. Akut (~17 %):
Gleiche Erkrankung wie sekundär chronische OM, Unterscheidung über den Zeitrahmen Auslöser: pulpo-/parodontale Infektionen, Frakturen, Fremdkörper/Implantate, infizierte ExtraktionsalveolenInitial oft ohne Röntgenzeichen 2. Sekundär chronisch (~70 %):
Gleiche Erkrankung, aber mit aktiven/symptomfreien Phasen Radiologisch hypo-/hyperdense Areale 3. Primär chronisch:
Dauer > 4 Wochen Unklare Ätiologie
3) Welche Klinik zeigt die akute/sekundär chronische Osteomyelitis typischerweise?
Antwort zeigen Klinische Zeichen:
Klassische Entzündungszeichen Pus Harte, oft wenig dolente Schwellung (periostale Knochenbildung ) Zahnlockerung („tanzende Zähne")Fistel-/Sequesterbildung Vincent-Symptom Epidemiologie: Alle Altersgruppen, Häufung 3.–6. Lebensjahrzehnt , Männer:Frau ≈ 2:1 .
4) Welche Diagnostik ist bei akuter/sekundär chronischer OM sinnvoll?
Antwort zeigen Klinische Untersuchung: Ganzinspektion (obligat)
Bildgebung:
Frühes Stadium: → MRT Spätes Stadium: → natives CT Röntgen-Osteolyse erst nach ~30 % Mineralverlust sichtbar (~3 Wochen ) OPG: ggf. zwiebelschichtartige periostale Anlagerungen
5) Welche Labor- und Mikrobiologiebefunde sind relevant?
Antwort zeigen Labor:
Mikrobiologie:
S. aureus Streptococcus viridans S. epidermidis Actinomyces spp. Diverse Anaerobier
6) Wie wird die akute (chronisch-akute) Osteomyelitis initial therapiert?
Antwort zeigen Chirurgische Fokuseradikation:
Abszessinzision/Drainage Entfernung infektiöser Herde: Zähne, Fremdkörper, infizierte Implantate, Sequester Zunächst keine weitergehende Chirurgie ; begleitend kalkulierte Antibiose .
7) Wie wird die sekundär chronische Osteomyelitis behandelt?
Antwort zeigen 1. Fokuseradikation:
Inzision/Drainage Herdentfernung inkl. Sequestern 2. Chirurgische Maßnahmen:
Dekortikation (ggf. Neurolyse) oder Teilresektion mit StabilisierungRekonstruktion 3. Antibiose:
Zunächst kalkuliert Später gezielt nach Resistogramm Ggf. lokale Antibiotikaträger
8) Welche Rolle spielt die begleitende Antibiose bei akuter/sekundär chronischer OM?
Antwort zeigen Mittel der Wahl: Penicillin (hohe Knochenwirkspiegel )
Kalkulierte Antibiose:
Amoxi/Clav Ampi/Sulb Piper/Tazo Umstellung nach Resistenztest Chronisch: Ggf. lokale Träger (z. B. Gentamicin-PMMA , resorbierbar)
Limitation: schlechte Durchblutung am Herd
9) Was sind die Ziele der Dekortikation?
Antwort zeigen Entfernung nekrotischen Gewebes Verbesserung der Gefäßeinsprossung Druckentlastung des MarkraumsAnlagerung vitalen Weichgewebes an den eröffneten Knochen
10) Was kennzeichnet die primär chronische Osteomyelitis (Allgemeines/Klinik)?
Antwort zeigen Allgemeines:
Unklare Ätiologie Early-Onset (< 20 J.) und Adult-Onset (> 20 J.)Assoziationen: SAPHO, CRMO Klinik:
Schmerzen, Schwellung Keine Pus/Sequester (conditio sine qua non )Keine akute Phase Episodischer Verlauf Unifokal oder multifokal , teils mit Systemassoziationen
11) Wie erfolgt die Therapie der primär chronischen Osteomyelitis?
Antwort zeigen Antiinflammatorisch:
NSAR und Kortikosteroide Z. B. stufenweise i. v./p. o. über mehrere Wochen In ~80 % deutlicher Rückgang der Beschwerden .
12) Welche Optionen bestehen bei therapierefraktärer/rezidivierender primär chronischer OM?
Antwort zeigen Antiresorptiva erwägen: Bisphosphonate, Calcitonin, monoklonale Antikörper Hyperbare Sauerstofftherapie umstrittenGrößere Knochenresektionen möglichst vermeiden
13) Wie wird Multimorbidität definiert und welche Folgen hat sie?
Antwort zeigen Definition: Nebeneinander mehrerer chron./akuter Erkrankungen ; im Alter häufig , oft verknüpft.
Folgen:
Funktionseinschränkungen Komplexe Arzneitherapien Eingeschränkte Lebensführung/Qualität/Selbstbestimmung Geringe zahnärztliche Inanspruchnahme in Pflegeheimen
14) Warum ist die Gruppe multimorbider Patient:innen zahnmedizinisch besonders relevant?
Antwort zeigen Demografischer Wandel: Deutlicher Zuwachs > 80 Jahre .
Häufige Erkrankungen:
Demenz Herzinsuffizienz Parkinson Niereninsuffizienz KHK/Hypertonie Diabetes Fettstoffwechselstörungen Chron. Schmerzen/Arthrose → Erschwerte Risikoabschätzung und Versorgungsplanung
15) Wann ist bei Gelenk-TEP eine Antibiotikaprophylaxe indiziert und welche Schemata gibt es?
Antwort zeigen Immer: 0,2 % CHX-Spülung
ATB-Prophylaxe:
Bei etablierter Infektion (z. B. Abszess ) Keine Standard-Prophylaxe bei einfachen zahnärztlichen EingriffenAusnahmen bei multiplen Risikofaktoren:Erste 6 Monate nach Implantation Gelockerte TEP Vorinfektion Entzündliche Arthropathien Schema:
1 h vor Eingriff: Amoxicillin 2 g (1. Wahl )Bei Penicillinallergie: Clindamycin 600 mg (nach Rücksprache )
16) Welche oralen Risiken/Trends ergeben sich im Alter?
Antwort zeigen Mehr erhaltene Zähne → höhere Infektionslast Zusätzlich steigendes Risiko für Periimplantitis
17) Was sind Kernthemen der Polypharmazie im Alter?
Antwort zeigen Definition: ≥ 5 Medikamente (hochprävalent > 65 J. )
Risiken:
Interaktionen Veränderte Resorption/Verteilung/Metabolismus/Ausscheidung Einnahmefehler Rezeptorveränderungen Geringe Kompensationsfähigkeit Eingeschränkte Nierenfunktion Häufig Dehydratation
18) Welche zahnärztlichen Herausforderungen ergeben sich bei Multimorbidität und was wird empfohlen?
Antwort zeigen Herausforderungen:
Erschwerte Mundhygiene Hyposalivation Eingeschränkte Mundöffnung Wundheilungsstörungen Candida Empfehlungen:
Kleinschrittige Planung Zahnersatz: hygienefähig, stabil, gut handhabbar und erweiterbar gestalten
19) Welche Medikamentengruppen sind bei Eingriffen besonders zu beachten?
Antwort zeigen Antithrombotika: Nachblutungsrisiko, Interaktionen Antiresorptiva: MRONJ-Risiko → OP/ATB-Strategie Vasokonstriktoren: Risiko AV-Block/Arrhythmien , Interaktionen
20) Wie lässt sich die Planung zahnärztlich-chirurgischer Eingriffe bei Multimorbidität strukturieren?
Antwort zeigen Entscheidungsbaum:
Indikation + ambulante Planung Prüfen: LA-Kontraindikationen? Nachsorge gesichert? Zusatzbefunde/Konsil? Wenn nach Optimierung keine Kontraindikation: → ambulante OP Wenn keine Optimierung möglich: → keine ambulante Durchführung (Alternative Settings erwägen )