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Thema: Abszess (intraoral). Ort: Universitätsklinikum Münster. Datum: 29.10.2025.
Erkennen und Verstehen der Entzündungs- und Immunreaktionen (akut/chronisch), genetische Disposition, klassische Entzündungszeichen, Unterschied zwischen Infiltrat und Abszess, Ursachen odontogener und nichtodontogener Infektionen, Pathogenese intraoraler und Logenabszesse, Komplikationen (Fisteln), Pathogenese der Phlegmone, klinisch-chemische Parameter zur Diagnostik, Probengewinnung, gezielte Erregerdiagnostik und Therapieplanung mit Antiinfektiva.
Ätiologie, Symptomatik, Diagnostik und Therapie.
Mehrere klinische Fotos von intraoralen Abszessen in verschiedenen Regionen – z. B. vestibuläre Schwellungen, Fluktuationen, Eiterentleerungen.
Ein Abszess ist eine umkapselte Eiteransammlung in einer nicht präformierten Höhle. Abgrenzung: Empyem (Eiter in präformierten Hohlräumen) und Phlegmone (diffuse eitrige Entzündung). Eiter besteht aus abgestorbenen Zellen, Bakterien und neutrophilen Granulozyten; Gewebseinschmelzung durch proteolytische Enzyme.
Zentrum mit Eiter (neutrophile Granulozyten, Zelltrümmer, Bakterien), randständiges Granulationsgewebe; demarkiert zum gesunden Gewebe; bindegewebige Kapsel, eingeschränkte Antibiotikadiffusion in den Abszess.
Bakterielle Infektion → akute Entzündung → Demarkation nekrotischen Gewebes → Granulationsgewebe mit Makrophagen/Fibroblasten → bindegewebige Kapsel; Antibiotikapenetration oft unzureichend.
Häufig zwischen 20–40 Jahren, oft 6er oder 8er ursächlich; Unterkiefer häufiger als Oberkiefer. Erregerspektrum: Mischflora aus aeroben und anaeroben Bakterien; vollständige Differenzierung schwierig.
Odontogen: Caries profunda/Folgen, parodontal bedingt, dentitio difficilis, Fremdmaterial, Periimplantitis, Knochenersatzmaterial. Nichtodontogen: Infektionen nach Trauma, iatrogen, Fremdkörperreaktion, maligne Erkrankungen, hämatogene/lymphogene Streuung, Immundefizienz.
Periapikale Phase (Periodontitis apicalis), enosseale Phase (Abscessus apicalis/Granulom/Zyste), subperiostale Phase (Eiter zwischen Knochen und Periost), submuköse Phase (Durchbruch unter die Schleimhaut), Perforation/Fistelbildung/Chronifizierung.
Entlang anatomischer Spalträume. Maxilla: Fossa canina, palatinal, Sinus (Empyem), retromaxillär. Mandibula: para-/perimandibulär, submandibulär/sublingual (Angina Ludovici), massetericomandibulär, pterygomandibulär, Wange, para-/retropharyngeal, paratonsillär, submental.
Rötung, Schwellung (fluktuierend), Druckschmerz, Überwärmung, Funktionseinschränkung (z. B. Mundöffnung), reaktive Lymphadenitis; systemisch oft mittelhohes oder subfebriles Fieber.
Dysphagie, Dyspnoe, kloßige Sprache, gehobener Mundboden, nicht durchtastbare Mandibulabasis → stationäre Aufnahme, ggf. extraorale Inzision.
Eiterentleerung durch Inzision und Drainage (intraoral meist in LA), ausgiebige Spülung, Gazestreifen zur Offenhaltung, täglicher Streifenwechsel (sekundäre Wundheilung). Fokussanierung zeitgleich oder nach antiinfektiver Therapie.
Bei ausreichendem Pusabfluss meist keine Antibiose. Indikation bei unzureichendem Abfluss, reduziertem Allgemeinzustand oder relevanten Grunderkrankungen. Beachtung lokaler Resistenzraten (z. B. Clindamycin höher als Aminopenicillin/β-Laktamase-Hemmer).
Seit 3 Tagen Zahnschmerzen, seit gestern Schwellung im Unterkiefer-Frontzahnbereich.
Spezielle Anamnese (Vorgeschichte, Trauma, Schmerzverlauf, bisherige Therapie), Allgemeinanamnese (Allergien, chronische Erkrankungen, Medikation, Gerinnung). Ziel: Risikoeinschätzung und Therapieplanung.
Klinisch: regio 33–43 gerötete, druckdolente, prall-elastische Schwellung mit Fluktuation; Mundboden weich/nicht gehoben; keine tastbare Lymphknotenvergrößerung. Bildgebung: OPG oder intraorale Aufnahme.
Inzision im Vestibulum des Unterkiefers mit Drainage, anschließend Spülung und Streifeneinlage.
Täglicher Streifenwechsel und Spülung bis zum Abklingen; systemische Antibiotika nur bei klarer Indikation; zeitgerechte Fokussanierung.
Schmerzen regio 13; Diagnose: submuköser Abszess 13.
Nach WKB 23 zunehmender Schmerz und palatinale Schwellung → palatinaler Abszess. Therapie: palatinale Inzision parallel zur Zahnreihe; Vorsicht an der A. palatina.
40-jährige Patientin, Zufallsbefund bei Routinekontrolle. Merksatz: Eine prall-elastische Schwellung ist nicht immer ein Abszess – Differenzialdiagnosen beachten.
Systematische Anamnese (allgemein/spezifisch), strukturierte Untersuchung (lokal, regional, systemisch), Therapie: Inzision, Drainage, Spülung, Streifeneinlage, ggf. Antibiotika, tägliche Nachsorge und Fokussanierung.
Dysphagie, Dyspnoe, kloßige Sprache, gehobener Mundboden, nicht tastbare Mandibulabasis → stationäre Aufnahme und ggf. extraorale Inzision.
Mit dem Dank an das Publikum: „Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!“ (Universitätsklinikum Münster).