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Übungsfragen: Mittelgesichtsfrakturen

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1) Staatexamen: Bei einer Jochbeinfraktur ist da der Orbitabogen betroffen?

Ja, immer. Bei einer Jochbeinfraktur ist der Orbitabogen immer betroffen.

2) Staatexamen: Muss ich den Orbitabogen dann immer versorgen?

Nein. Meistens ist der Orbitabogen nicht disloziert, daher muss er nicht immer versorgt werden.

3) Was sind die Lernziele bei Mittelgesichtsfrakturen?

Anatomie des Mittelgesichts, Klassifikation lateraler und zentraler Mittelgesichtsfrakturen, klinische Frakturzeichen, Komplikationen, Diagnostik, operative Zugangswege, Therapieoptionen.

4) Welche Kraftlinien nennt man im Gesicht?

Trajektorien oder „Buttresses“ – sie leiten Kräfte entlang stabiler Knochenpfeiler (z. B. Nasomaxillar‑, Zygomaticomaxillar‑, Zygomaticofrontalpfeiler).

5) Welche Frakturen treten am häufigsten im Gesicht auf?

Unterkiefer (35,6 %), Jochbein (27,8 %), Collum (18,1 %), Le Fort (8,9 %), Orbita (5,2 %), Alveolarfortsatz + Zähne (2,7 %), Frontobasis (1,7 %).

6) Nenne allgemeine klinische Zeichen einer Mittelgesichtsfraktur.

Fazialisparese, Absenken des Bulbus, Hypophagma, Schwellung/Hämatom, Sensibilitätsstörung, infraorbitale Stufe, Asymmetrie, Rücklage/Vorstand.

7) Welche Frakturen zählen zu den lateralen Mittelgesichtsfrakturen?

Jochbeinfraktur und Jochbogenfraktur.

8) Welche vier Nähte sind bei Jochbeinfrakturen häufig betroffen?

Sutura frontozygomatica, Sutura sphenozygomatica, Sutura zygomaticomaxillaris, Sutura temporozygomatica.

9) Wie werden Jochbeinfrakturen klassifiziert?

Typ 1: isolierte Jochbogenfraktur; Typ 2: nicht dislozierte Jochbeinfraktur; Typ 3: dislozierte ohne Diastase am lateralen Orbitarand; Typ 4: dislozierte mit Diastase; Typ 5: Trümmerfraktur; Typ 6: Typ 2–5 mit Orbitabodenbeteiligung.

10) Was sind unsichere Frakturzeichen?

Schmerzen, Monokelhämatom, Sensibilitätsstörung des N. infraorbitalis, Mundöffnungsstörung.

11) Was sind sichere Frakturzeichen?

Augenmotilitätsstörungen, sichtbare Einsenkung der Wange, tastbare knöcherne Stufen an Crista zygomatico‑alveolaris, Infraorbital‑ und lateraler Orbitarand.

12) Welche Bildgebung ist zur Diagnostik geeignet?

NNH‑ und Korbhenkelaufnahme, CT oder DVT.

13) Was kennzeichnet die isolierte Jochbogenfraktur?

Impression des Jochbogens mit Behinderung/Fraktur des Proc. muscularis (M. temporalis).

14) Wie kann eine isolierte Jochbogenfraktur behandelt werden?

Reposition ohne Verplattung, z. B. nach Gillies (temporal), transkutaner Hakenzug oder intraoraler Zugang.

13) Was bedeutet Jochbeinfraktur Typ 3–4?

Dislozierte Fraktur mit (Typ 4) oder ohne (Typ 3) Diastase am lateralen Orbitarand; ggf. Orbitabodenbeteiligung.

16) Was ist der Unterschied zwischen Maximal‑ und Minimalvariante der Verplattung?

Maximalvariante: Fixierung an drei Pfeilern (z. B. Orbitarand/‑dach, infraorbital, Jochbogen). Minimalvariante: Fixierung an einem/zwei Punkten.

17) Wer beschrieb die Le‑Fort‑Frakturen und wann?

Dr. Henry (René) Le Fort, 1901.

18) Wie entstanden die Le‑Fort‑Klassifikationen?

Le Fort erzeugte definierte Frakturen an Leichenköpfen durch Schläge; es ergaben sich drei typische Frakturverläufe (Le Fort I–III).

19) Beschreibe die Le‑Fort‑I‑Fraktur.

Horizontale Trennung der Maxilla vom Gesichtsschädel (über dem Alveolarfortsatz).

20) Beschreibe die Le‑Fort‑II‑Fraktur.

Pyramidenförmige Mittelgesichtsfraktur mit Beteiligung von Nasenwurzel und Infraorbitalrand.

21) Beschreibe die Le‑Fort‑III‑Fraktur.

Craniofaziale Disjunktion: komplette Trennung des Gesichtsschädels von der Schädelbasis.

22) Was ist eine NOE‑Fraktur?

Naso‑Orbito‑Ethmoidale Fraktur mit möglicher Beteiligung des medialen Lidbandes und der Tränenwege.

23) Welche NOE‑Typen nach Markowitz gibt es?

Type 1: Einzelstückfraktur (oft keine OP); Type 2: Trümmerfraktur mit Fixation; Type 3: schwere Trümmerung, komplexe Rekonstruktion nötig. (Ergänzend: Typ‑Skala 0–IV je nach Dislokation, Lidbändchen/Tränengangsbeteiligung).

24) Welche klinischen Zeichen deuten auf zentrale Mittelgesichtsfrakturen hin?

Brillenhämatom, Weichteilverletzungen, front‑offener Biss, Hypästhesie, Epistaxis.

25) Welche Untersuchungen sind wichtig?

Interkanthalabstand messen, Bow‑string‑Test, bimanuelle Palpation.

26) Wie wird eine Rhinoliquorrhoe abgeklärt?

Klinik: klarer Nasenausfluss; CT mit 0,5 mm coronalen Schnitten der Lamina cribriformis; Labor: Glukose‑Vergleich, β‑Transferrin; Visualisierung: fluoreszierende Flüssigkeit + transnasale Endoskopie.

27) Welche typischen Begleitverletzungen können auftreten?

Gehirn‑ und Wirbelsäulenverletzungen, Blutungen (A. maxillaris, Ethmoidalgefäße), Rhinoliquorrhoe, Weichteilverletzungen.

28) Wie wird starke epistaktische Blutung bei Mittelgesichtsfraktur behandelt?

Kompression der Maxilla an die Schädelbasis, hintere Belocque‑ und vordere Nasentamponade (Jodoformgaze), ggf. Angiographie.

29) Welche operativen Zugangswege gibt es?

Intraoral (Vestibulum) und extraoral (Bügelschnitt/bicoronar, subciliär, infraorbital, Augenbrauenschnitt).

30) Was versteht man unter dem bicoronaren Zugang?

Bügelschnitt über die Kopfhaut mit Ablösung bis Stirn/Temporalregion; weiter Zugang zu oberen Mittelgesichtsanteilen.

31) Welche Grundprinzipien der Therapie gibt es?

Reposition, Ruhigstellung, Retention, Rehabilitation.

32) Welche Probleme gibt es bei der Atemwegsicherung?

Nasale Intubation oft nicht möglich; Alternativen: Tracheotomie oder submandibuläre Intubation.